Telefon-Bridge für gehörlose Menschen
Telefonieren, ohne auf Minuten zu zählen.
Was die Bridge tut
Drei Schritte. Ein normales Telefonat.
Die Telefon-Bridge ist eine kostenfreie App, die im Hintergrund den Übersetzer macht. Du tippst, was du sagen willst. Eine KI-Stimme spricht es. Was die Gegenseite sagt, wird live untertitelt. Du liest mit, in Echtzeit, auf Deutsch.
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Nummer eingeben
Du öffnest die App, gibst die Telefonnummer ein, die du anrufen willst, und drückst auf „Anrufen".
2
Tippen statt sprechen
Sobald die Verbindung steht, tippst du, was du sagen willst. Eine KI-Stimme spricht es für dich in deutsche Sprache. Natürlich, ruhig, klar.
3
Live mitlesen
Was die Gegenseite sagt, erscheint als Untertitel auf deinem Bildschirm. Mit weniger als einer halben Sekunde Verzögerung. Du verlierst keinen Satz.
Warum es das geben muss
40 Minuten im Monat sind keine Lösung.
In Deutschland gibt es seit Jahren einen staatlich finanzierten Telefonvermittlungsdienst (Tess Relay) für gehörlose Menschen. Aber privat gibt es davon nur 40 Minuten pro Monat (2026). Ab 2028 sind es 60 Minuten. Bei vier Wochen, jeden Tag.
Die Lücke
Was über das Limit hinausgeht, kostet rund 80 € pro Stunde Dolmetscherhonorar. Für viele bedeutet das: Anruf bei der Krankenkasse fällt aus. Termin beim Arzt? Schwierig. Beschwerde beim Vermieter? Wird erst gar nicht versucht.
Die Telefon-Bridge ist die zweite Schicht: kostenfrei, unbegrenzt, für den Alltag. Sie ersetzt Tess Relay nicht. Für sensible Gespräche bleibt der menschliche Dolmetscher unverzichtbar. Aber sie schließt die Lücke, die heute jeden Monat vor dem 15. anfängt zu klaffen.
Notfallarchitektur
Drei Schichten für den Ernstfall.
In Notfällen reicht „funktioniert meistens" nicht. Die Bridge hat dafür eine eigene Architektur, die im Standardbetrieb nicht sichtbar ist, und im Ernstfall sofort greift. Drei klare Schichten, mit klarer Aufgabenteilung.
Schicht 1
Bei eigener Lebensgefahr: die 112-App
Die offizielle Notruf-App für Gehörlose hat eine direkte Anbindung an die zuständigen Leitstellen, übermittelt deinen Standort automatisch und arbeitet mit geschulten Disponent:innen. Wenn du selbst in Lebensgefahr bist, ist das der schnellste und sicherste Weg. Die Bridge verweist explizit dorthin und erinnert dich an die Installation.
Schicht 2
Vorbereitete Notfallbausteine
Adressen, medizinische Hinweise, Selbstidentifikation („Ich bin gehörlos, ich kommuniziere schriftlich. Bitte sprechen Sie deutlich und in kurzen Sätzen.") und Standardsituationen („Unfall mit Verletzten", „Verdacht auf Schlaganfall", „Starke Blutungen") sind schon hinterlegt, und auch offline verfügbar. Wenn jemand anderes in Gefahr ist und du schnell präzise antworten musst, hast du die Sätze sofort zur Hand.
Schicht 3
Direkter Notrufknopf in der App
Wenn die App eh gerade offen ist und plötzlich etwas passiert, ist der schnellste Weg ein roter Knopf direkt in der App. Auswahl zwischen 112, 110, 116 117 oder 19240. Verbindung läuft sofort, Selbstidentifikation und Standort werden automatisch übermittelt. Hartkodierte Notrufnummern, kein Konfigurationstrick kann sie ändern.
Wer das trägt
Open Source, gemeinnützig, niemand kann's abschalten.
Die Bridge läuft unter einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH), nicht unter einem Startup. Der gesamte Code steht unter der AGPL-Lizenz. Wenn das Projekt jemals seinen Charakter verlieren sollte, kann jede:r eine eigene Version weiterbetreiben. Niemand kann das Werkzeug gegen die Nutzer:innen drehen.
Finanziert wird das Ganze aus Eigenmitteln, Tech-Sponsoring (Cloud, KI-Anbieter) und Förderungen wie Aktion Mensch. Nicht aus Risikokapital. Es gibt keinen Exit-Plan, keinen Wachstumszwang, keinen Investor, der irgendwann seine Rendite einfordert. Erfolg bedeutet: 5.000 Menschen nutzen das hier stabil und sinnvoll.
Das Projekt ist auf zwanzig Jahre angelegt, mit einer geplanten Übergabe an die nächste Generation oder einen Trägerverein. Es soll länger leben, als der Initiator es persönlich begleitet.
Wie es gebaut wird
Mit gehörlosen Menschen, von Tag eins.
Eine App für gehörlose Menschen kann nicht ohne gehörlose Menschen entstehen. Das ist nicht nur Höflichkeit. Es ist die einzige Möglichkeit, dass das Werkzeug am Ende wirklich passt. Fünf bis zehn Co-Designer:innen begleiten die Entwicklung von Anfang an, mit fairer Aufwandsentschädigung. Für die Notfallarchitektur gibt es eine separate Schiene mit drei zusätzlichen Co-Designer:innen. Wegen der besonderen Belastung des Themas mit Honorar darüber und optional psychologisch geschulter Begleitung.
Über den Co-Designer:innen hinaus gibt es einen Beirat aus drei bis fünf gehörlosen oder schwerhörigen Menschen, mit Vetorecht bei Entscheidungen, die das Nutzererlebnis, den Datenschutz, das Branding oder die Notfallarchitektur prägen.
Was die Bridge nicht ist
Klare Grenzen.
- Kein Ersatz für menschliche Dolmetscher bei sensiblen Gesprächen (Arzt, Behörde, Recht).
- Kein Ersatz für die offizielle 112-Notruf-App bei eigener Lebensgefahr.
- Keine Konkurrenz zu Tess Relay-Diensten. Das ist ein anderes Segment.
- Keine berufliche Lösung. Dafür gibt es eigene Regelungen, die besser greifen.
- Kein Ersatz für politische Arbeit. Für besseren staatlichen Vermittlungsdienst muss weiter gekämpft werden. Die Bridge ist Pflaster, keine Heilung.
Wo wir stehen
In Co-Design. Phase 1 startet 2026.
Die Bridge ist im Aufbau. Aktuell laufen Gespräche mit dem Deutschen Gehörlosen-Bund, mit potenziellen Co-Designer:innen und mit Tech-Sponsoren. Die erste lauffähige Version (Text-zu-Sprache plus Notfallarchitektur) soll bis Ende 2026 im geschlossenen Beta laufen.
Wenn du mit Co-Designen, testen oder einfach Bescheid wissen willst, sobald die Beta startet. Schreib uns kurz.
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